München, 8. IV. 40

Liebe Frau Professor!

Zunächst möchte ich Ihnen nochmals recht herzlich danken für Ihre freundliche Aufnahme in Mittenwald.

Sodann komme ich auf unser literarisches Gespräch zurück.

Historie

Breitner: Maximilian I, der Traum einer Weltmonarchie

C. Brandi: Kaiser Karl V (sehr zuverlässig)

Pfandl: Philipp II (wohl etwas einseitig)

alle drei sehr gut geschrieben; ebenso

Kantarowich: Friedrich II (der Hohenstaufe)

Historische Romane

Henry Benrath: Kaiserin Constanze (Mutter Friedr. II)

" " : Gall Placidia.

Sehr liebenswürdig, mit etwas "zweitem Gesicht" verbrämt der Roman von Goethes Eltern:

Otto Müller, Der Stadtschultheiß von Franfurt (Cotta).

Mit freundlichen Grüßen Ihr
A. Sommerfeld.

(Die Rückseite für Ihren Mann.)

/2/

Lieber Grimm!

Was meinen Sie zu folgender Colloquiums-Anzeige?

Fourier-Analyse der Kristalle

Sommerfeld, theoretische Begründung

Grimm, experimentelle Ausführung

Donnerstag oder Freitag nach Pfingsten (23ter oder 24ter V, ev. schon 9 oder 10h?)

Ich kam auf diese Idee, als ich Ihre letzten Separaten aus den Naturwiss. las.

Wenn Sie mit Ihrem Berliner Vertrauensmann (Prof. Thiessen?) über Ihre Honorarprofessur sprechen, können Sie ihm auch sagen - zur Verwendung im Reichskultusminist. - dass meine Nachfolge ein öffentlicher Skandal sondergleichen ist, und dass mein Nachfolger mich aus meinem Institut herausgeschmissen hat.

Ihr getreuer
A.S.